Ökologische Betriebslandschaften

Verfasst am 26.09.2016 von blogadministrator

Boden, Klima, Wasser und Artenvielfalt in Industrie- und Gewerbebetrieben Teil 1: Behördenverfahren

Ob es sich um Neuanlage oder Bestandsentwicklung handelt, Betriebe besitzen vielfältige Berührungspunkte mit Natur und Landschaft. Die Bandbreite reicht von flächenintensiven Industriebetrieben über die Vielzahl von Handels- und Gewerbeunternehmen bis hin zu landwirtschaftlichen und touristischen Betrieben. Die Rahmen sind in mehreren Gesetzen niedergelegt, die dann in Einzelfallbewilligungen angewendet werden.

Wenn eine Einreichung  ansteht, sind es meist folgende Rechtsgrundlagen, die  zu prüfen sind:

Naturschutzrecht: jedes Bundesland in Österreich hat seine eigenen Naturschutzgesetze. Im Naturschutzgesetz werden alle Vorhaben, die eine Bewilligung benötigen festgelegt. Da bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Sensibel sind aber meist Vorhaben im Nahbereich von Gewässern, Rodungen von Landschaftselementen und größere Bodenveränderungen. Meist zusätzlich sind in einer  eigenen Verordnung die Artenschutzbelange geregelt. Hier werden etwa vollkommen und teilweise geschützte Arten festgelegt.

Wasserrecht: da ein Bundesgesetz zugrunde liegt, ist das Verfahren in ganz Österreich einheitlich, auch wenn die Umsetzung durch die Bezirkshauptmannschaften erfolgt.

Forstrecht: Ähnlich ist die Situation im Forstrecht. Sollten für eine Standortentwicklung Rodungen erforderlich sein, ist die Situation je nach Lage unterschiedlich. Dies betrifft einerseits die Qualität des Bestandes im Hinblick auf die vier Waldfunktionen: Nutzung, Erholung, Schutz und Wohlfahrt. In stark unterbewaldeten Gebieten kann eine höhere Ersatzleistung als 1 : 1 vorgeschrieben werden.

Kulturflächenschutz und Bodenschutz: der Schutz landwirtschaftlicher Produktion wird in den einzelnen Ländern unterschiedlich geregelt. Für angrenzende Betriebe ist meist eine Abstandsgrenze für Bepflanzungen zur Vermeidung von Schattwirkungen relevant. Diese kann aber auch zusätzlich in Gemeindeverordnungen festgelegt werden.

Betriebliche Emissionen wie Lärm oder Luftschadstoffe stellen eigene Themenfelder dar, die in diesem Artikel nicht einbezogen werden.  Auch das Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz, das auch für einige betriebliche Großprojekte zur Anwendung kommt, wird hier nicht in den Vordergrund gestellt. Es geht vielmehr um die Vielzahl der kleinen und mittleren Unternehmen, die nicht regelmäßig mit umweltbezogenen Behördenverfahren zu tun haben.

Naturschutz

Die Neuanlage von Betrieben in sensiblen Lebensräumen stellt sich heute nur ausnahmsweise, da hier die raumordnerischen Voraussetzungen für eine Widmung meist nicht gegeben sind.

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Abb. 1. Heute werden Betriebe nur selten in naturnahen Landschaften neu angelegt.

Im ländlichen Raum sind aber doch regelmäßig in beengten Geländesituationen von Tälern sensible Erweiterungsverhältnisse gegeben. Davon sind vor allem Betriebe betroffen, die bereits seit langem bestehen und nun einen Aus- oder Umbau planen. Sägewerke und andere holzverarbeitende Betriebe in ländlicher Lage wie auch Gastronomiebetriebe, die etwa aus einer Mühle hervorgegangen sind, kommen immer wieder in diese Situation. In diesem Fall sind die zu erwartenden Eingriffe in den Naturhaushalt zu erfassen und geeignete Maßnahmen für einen Ausgleich zu entwickeln. Das ist im Einzelfall sehr unterschiedlich und in einer landschaftsökologischen Planung darzustellen. Die Ausführung bedarf einer fachgerechten Begleitung in einer ökologischen Bauaufsicht. Dies sichert eine wirksame Begrenzung der Kosten für die Ausführung, da die eventuell erforderlichen Erd-, Wasserbau- und Bepflanzungsleistungen zuvor in einer Leistungsbeschreibung zusammengefasst werden und die Umsetzung begleitet und kontrolliert wird.

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Abb. 2: Abbaubetriebe wie Steinbrüche haben besonders hohe Standards einzuhalten – die ökologische Planung besitzt hier besondere Bedeutung, damit die Betriebe auch weiterhin wirtschaftlich erfolgreich sein können

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Abb. 3: Versiegelung ist eines unserer zentralen Probleme: auch in kommunalen Betrieben werden oft auch selten befahrene Nebenflächen asphaltiert, anstelle die tatsächlichen Erfordernisse zu analysieren.

 

 

 

 

Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten

Einen Sonderfall stellt die Berücksichtigung des Artenschutzes dar. Hier ist die Klärung der Begriffe für die Anwendung nötig. Während der Schutz teilweise geschützter Arten sich hauptsächlich auf einen Schutz vor Übernutzung bezieht – etwa das Sammeln von Frühlingsblühern-, sind vollkommen geschützte Arten sowohl in allen Entwicklungsstadien gegenüber direkte Verfolgung als auch Störung geschützt.

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Abb. 4: Standorte geschützter Pflanzen- und Tierarten – wie der Schachbrettblume – stehen unter besonderem Artenschutz

Hier werden auch die internationalenRichtlinien der Europäischen Gemeinschaft in nationales Recht umgesetzt. Das bedeutet, dass jedes Bundesland diejenigen Tier- und Pflanzenarten der EU Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der EU Vogelschutzrichtlinie, die im eigenen Landesgebiet vorkommen, auch in der jeweiligen Landesverordnung schützt. Da das Vorkommen von zahlreichen Tierarten wie Vögeln, Kröten oder Eidechsen, aber auch etwa Fledermäusen, auch in Betriebsbereichen möglich ist, kann hier ein erhebliches Konfliktpotenzial bestehen. Die Mehrzahl an geschützten und gefährdeten, wirbellosen Kleintieren – z.B. Schmetterlinge, Käfer, Libellen – ist an kleinräumige Lebensräume angewiesen und seltener in Behördenverfahren ein zentrales Thema.

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Abb. 5: Artenschutz erfordert für die Beurteilung detailliertes Spezialwissen, das nachvollziehbar angewendet werden muss: nicht jedes Vorkommen geschützter Arten stellt ein Bewilligungsproblem dar!

Schutz vor invasiven Tier- und Pflanzenarten

Lebensgemeinschaften von Tier- und Pflanzenarten sind nicht statisch, sondern stets in laufender Veränderung. Gegenwärtig führen menschliche Aktivitäten wie Handel, Transport, Landschaftsveränderungen und Klimawandel  zu einem bisher nicht bekannten Ausmaß an Verbringung von Tier- und Pflanzenarten nahezu aller taxonomischen Gruppen zwischen und innerhalb der Großlebensräume der Erde. Eine neue EU-Verordnung regelt die Vorgehensweise mit gebietsfremden Arten seit 1.1.2015. Dabei kann es sich um Pflanzenarten handeln, die durch ihre starke Ausbreitungsfähigkeit während Baumaßnahmen besondere Aufmerksamkeit erfordern und daher in Bewilligungsbescheiden. Die Umsetzung dieser komplexen Herausforderungbenötigt dringende Aufmerksamkeit, um Schäden zu vermeiden. Auf wissenschaftlicher Ebene kooperieren ExpertInnen des Donau-Schwarzmeerraumes im Netzwerk DIAS – Danube Region Invasive Alien Species Network – eine konkrete Umsetzungsinitiative im Rahmen der EU Strategie für den Donauraum (EUSDR), die vom Autor mitbegründet als Generalsekretär der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Donauforschung (www.iad.gs) mitbegründet wurde .

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen auch komplexe Fragestellungen im Sinn der Erfordernisse von Betrieben und dem Schutz unserer Lebensgrundlagen erhalten lässt.

Autor:

Dipl.-Ing. Dr. Harald Kutzenberger

Alle Fotos: H. Kutzenberger